Institutioneller Anleger

Institutionelle Anleger sind juristische Personen bzw. Unternehmen, die über ein erhebliches Gesellschaftsvermögen verfügen, welches sie eigens oder für Dritte anlegen und verwalten.1 Sie können entweder direkt oder über andere institutionelle Investoren indirekt in Immobilien investieren. Durch ihre i.d.R. großen Anlagevolumina haben sie eine hohe Relevanz an den Kapital- und Immobilienmärkten und können diese entscheidend beeinflussen.2 Grundsätzlich können unterschiedliche Gruppen von institutionellen Anlegern vor allem nach folgenden Merkmalen unterschieden werden:

  • Immobiliendominiertes Kapitalanlageportfolio
  • Gemischtes Kapitalanlageportfolio, in dem nur ein Teil des gesamten Anlagevolumens in Immobilien angelegt ist.3

Zu den institutionellen Anlegern mit immobiliendominiertem Portfolio zählen vor allem folgende Arten:

Immobilien Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG):

Auf dem Immobilienmarkt zählen zu den KVGs insbesondere offene Immobilien-Publikumsfonds, offene Immobilien-Spezialfonds und geschlossene Immobilienfonds.4 Kapitalverwaltungsgesellschaften verwalten Sondervermögen und investieren dieses in Form von Investmentfonds für gemeinschaftliche Rechnung der Anleger in Immobilien.5 Gemäß § 20 Abs. 1 Satz 1 KAGB bedürfen Kapitalverwaltungsgesellschaften einer schriftlichen Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).6

 

Immobilienaktiengesellschaften und REITs:
Immobilienaktiengesellschaften investieren in der Rechtsform als Aktiengesellschaft in Immobilien. Darunter sollen hauptsächlich Unternehmen verstanden werden, die mindestens 75 % des Umsatzes und Ertrages durch Immobiliengeschäfte generieren. Hierzu gehören Umsätze und Erträge aus Vermietung und Verpachtung, Immobilienverwaltung, Immobilienhandel, Projektentwicklung oder Immobilienberatung.
Real Estate Investment Trusts (REITs) sind eine Sonderform von Immobilienaktiengesellschaften, die in Deutschland 2007 eingeführt wurden. Sie unterliegen den Vorschriften zum Gesetz für Immobilien-Aktiengesellschaften mit börsennotierten Anteilen (REIT Gesetz). Unter bestimmten Voraussetzungen weisen REITS den Vorteil auf, dass keine Steuern auf Unternehmensebene anfallen, wodurch eine höhere Gewinnausschüttung ermöglicht wird.7
In Deutschland bildet der von Ellwanger & Geiger veröffentlichte DIMAX seit 1995 die wichtigsten deutschen Immobilienaktien in einem Index ab.8 Auf internationaler Ebene bilden die Indices von EPRA die europäischen Immobilienaktien ab, in den USA ist es der NAREIT.

Zu den institutionellen Anlegern mit gemischtem Kapitalanlageportfolio zählen vor allem:

Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen:
Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen investieren in unterschiedliche Anlageklassen. Abhängig von der Kerngeschäftstätigkeit ist ihre Immobilienquote im Kapitalanlageportfolio. So ist das Investitionsvolumen von Lebensversicherungen in Immobilien bspw. höher als von Schadensversicherern, die eine höhere Liquidität aufweisen müssen.
Pensionskassen sind unabhängige Versorgungseinrichtungen, die von Unternehmen Gelder im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge anlegen. Investitionen von Pensionskassen sind langfristig und eher risikoavers ausgerichtet, sodass Immobilien eine attraktive Anlageklasse darstellen.
Insgesamt gelten Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen aufgrund ihrer hohen Anlagevolumina als wichtige Akteure auf dem Immobilienmarkt, auch wenn der prozentuale Anteil ihres Immobilienvermögens am Gesamtanlagevolumen tendenziell gering ist.9

Ausländische institutionelle Investoren und Opportunity Funds:
Ausländische Investoren sind Versicherungen und Pensionskassen, Immobilienunternehmen und Investmentfonds mit Sitz im Ausland, die Gelder für Dritte am deutschen Immobilienmarkt investieren.
Als international agierende Investoren treten auch risikoaffine Investoren wie Opportunity Funds oder Private Equity Funds auf dem deutschen Immobilienmarkt auf.10 Meist herrscht bei diesen Investoren ein gemischtes Kapitalanlageportfolio vor, es gibt aber auch immobiliendominierte Akteure.

Institutionelle Investoren weisen gegenüber privaten Anlegern den Vorteil auf, dass Kapital und Know-how aggregiert werden. Dadurch können Vorteile der Losgrößen- und Fristentransformation sowie eine Risikoreduzierung durch Diversifikation erreicht werden.11

  • 1 Vgl. Sailer, Erwin; Grabener, Henning J.; Matzen, Ulf (Hrsg.) (2014): Immobilien-Fachwissen von A-Z. Das Lexikon mit umfassenden Antworten und Erklärungen auf Fragen aus der Immobilienwirtschaft, 10 Aufl. Kiel, S. 559.
  • 10 Vgl. Schulte, Karl-Werner; Holzmann, Christoph (2008): Institutionelle Aspekte der Immobilienökonomie. In: Schulte, Karl-Werner: Immobilienökonomie, Band I, 4. Aufl. München, S. 176-182.
  • 11 Vgl. Trübestein, Michael (2011): Praxishandbuch Immobilieninvestments, Wiesbaden, S. 22-24.
  • 2 Vgl. Deutsche Bundesbank (2015): Institutioneller Investor. Abrufbar im Internet. URL: https://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Service/Glossar/_functions/glossar.html?lv2=32036&lv3=62180. Stand: 15.10.2015.
  • 3 Vgl. Trübestein, Michael (2011): Praxishandbuch Immobilieninvestments, Wiesbaden, S. 22-24.
  • 4 Vgl. Schulte, Karl-Werner; Holzmann, Christoph (2008): Institutionelle Aspekte der Immobilienökonomie. In: Schulte, Karl-Werner: Immobilienökonomie, Band I, 4. Aufl. München, S. 176-182.
  • 5 Vgl. BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (2015): Lexikon. Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG). Abrufbar im Internet. URL: http://www.bvi.de/kapitalanlage/privatanleger/lexikon/k/#c2033. Stand: 15.10.2015.
  • 6 Vgl. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) (2015): Merkblatt zum Erlaubnisverfahren für eine AIF-Kapitalverwaltungsgesellschaft nach § 22 KAGB-E. Abrufbar im Internet. URL: https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Merkblatt/WA/mb_130322_erlaubnisverfahren_aif-22kagb.html. Stand: 15.10.2015.
  • 7 Vgl. Rottke, Nico B. (2011): Immobilieninvestition. In: Rottke, Nico B.; Thomas, Matthias: Immobilienwirtschaftslehre Band I. Management, Köln, S. 853.
  • 8 Vgl. Schulte, Karl-Werner; Holzmann, Christoph (2008): Institutionelle Aspekte der Immobilienökonomie. In: Schulte, Karl-Werner: Immobilienökonomie, Band I, 4. Aufl. München, S. 176-182.
  • 9 Vgl. Schulte, Karl-Werner; Holzmann, Christoph (2008): Institutionelle Aspekte der Immobilienökonomie. In: Schulte, Karl-Werner: Immobilienökonomie, Band I, 4. Aufl. München, S. 176-182.
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: 22.01.2019